In meiner Tätigkeit als EDV-Dozent fällt es mir immer wieder auf, dass viele Internet-Nutzer sich nicht ausreichend mit ihrem “Werkzeug”, dem Webbrowser oder kurz Browser, beschäftigt haben. Das Vergnügen im Internet könnte mit ein wenig mehr Hintergrundwissen doch wesentlich komfortabler und auch gewinnbringender sein.
Ich möchte in diesem Artikel keine langen technischen Daten ausbreiten, sondern die Geschichte der Webbrowser kurz darlegen und den heutigen Markt etwas beleuchten. In weiteren Artikeln werde ich einige Browser vorstellen und beleuchten.
Seit wann gibt es Browser?
Der britische Informatiker Tim Berners-Lee schuf 1990 den ersten Webbrowser mit dem Namen WorldWideWeb unter dem Betriebssystem NeXTStep. Dieser Browser beherrschte das 1989 von Berners-Lee entwickelte HTTP (Hypertext Transfer Protokoll) sowie FTP (File Transfer Protokoll). Er war auch gleichzeitig ein Editor für lokale HTML-Dokumente und unterstützte den Zugang zu News Servern. Eingebundene Grafiken konnte der Prototyp von WorldWideWeb nur in einem zusätzlichen Fenster öffnen. Der Browser wurde später in Nexus umbenannt, damit der Unterschied zu dem World Wide Web klarer ersichtlich wurde.
Am 1. April 1993 erschien Version 1.0 des Browsers NCSA Mosaic als Projekt der Software Group vom National Center for Supercomputing Applications (NCSA). Das Entwicklerteam wurde unter anderem von Marc Andreessen angeführt. Der NCSA Mosaic konnte erstmals alle Elemente des Seitendesigns vollständig automatisch aufbauen. 1994 erwarb Microsoft die Lizenz für den Mosaic. Bis zur Version 8 trägt der Internet Explorer von Microsoft noch den Hinweis “Basiert auf NCSA Mosaic”.
Nachdem Marc Andreessen bei NCSA ausstieg, gründete er am 4. April 1994 Netscape als Mosaic Communications Corporation. Der von ihm entwickelte Browser wurde zunächst als Mosaic Netscape, dann als Netscape Navigator auf den Markt gebracht.
Im Jahre 1995 brachte Microsoft den Internet Explorer heraus, der eine Weiterentwicklung des NCSA Mosaic war. Von 1995 bis 1998 dauerte der Verdrängungswettbewerb zwischen den Unternehmen Microsoft und Netscape um die Vorherrschaft ihrer Browser, den Microsoft mit dem Internet Explorer gewann. Die Wettbewerbsvorteile lagen eindeutig bei der Firma Microsoft. Denn dort war mehr Kapital vorhanden und das hauseigene Betriebssystem Windows installierte automatisch den Browser Internet Explorer.
Von 1995 bis 2003 waren die Marktanteile der beiden Konkurrenten absolut gegenläufig. Als 1995 die Benutzung des World Wide Web populär wurde, hatte der Netscape einen Marktanteil von 80 Prozent. Dieser Anteil sank im Jahre 2003 dann unter vier Prozent. Der Internet Explorer nahm im selben Zeitraum einen rasanten Aufstieg von unter 3 Prozent auf über 95 Prozent vor.
Im November 1998 wurde Netscape von AOL für 4,2 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Am 1. März 2008 wurden die Weiterentwicklung und der Support vom Netscape eingestellt.
Auf die Verluste der Marktanteile reagierte Netscape, indem es sich zu einem quelloffenen Projekt mit dem Namen Mozilla veränderte. Die ersten Browser von Mozilla hießen Phoenix und Firebird. Im November 2005 wurde der Browser dann unter dem Namen Firefox bekannt.
Der Browser Opera des norwegischen Unternehmens Opera Software ASA ist seit 1996 auf dem Markt und hat sich vor allem in Europa eine gute Nische gesichert.
Im Januar 2003 hat die Firma Apple den Browser Safari veröffentlicht, der seit dem Betriebssystem Mac 10.3 (Panther) der Standardbrowser ist.
Im Dezember 2008 veröffentlichte Google mit dem Google Chrome erstmals einen eigenen Browser.
Wie sieht die Browser Landschaft heute aus?
Nach einer Umfrage des Hamburger Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß von Anfang Oktober bis Mitte November 2009 hat in Deutschland der Firefox dem Internet Explorer den Platz an der Sonne abgerungen. Demnach sind 45,6 % der Nutzer mit dem Firefox unterwegs, während mit dem Internet Explorer “nur” noch 44,4 % surfen. Auf den nächsten Rängen folgen der Safari mit 4,4 %, der Opera mit 2,7 % sowie Google Chrome mit 2,3 %. Die anderen Browser haben sozusagen verschwindend geringe Nutzerzahlen. Erstmals hat der Internet Explorer seine Pole Position abgegeben.
Dazu passt, dass die EU-Kommission heute das Angebot Microsofts,
Downloads alternativer Browser in einem Auswahlfenster zu ermöglichen, akzeptiert hat. Microsoft ist nun dazu verpflichtet, fünf Jahre lang über sein Windows Update für die Betriebssysteme Windows XP, Vista und Windows 7 ein Auswahlfenster bereitzustellen, in dem die Nutzer einen Web-Browser neben dem Internet Explorer oder als Ersatz für ihn zum Download und zur Installation auswählen können. Das Auswahlfenster soll auf die Website browserchoice.eu verweisen.
Das wird die Machtposition des Internet Explorers weiter schwächen. Die Zukunft auf dem Browser-Markt wird spannend bleiben.
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