Dateien und Ordner auf der Festplatte einfach und sicher löschen

Nach Pressemeldungen, dass wichtige Dateien auf bei ebay gekauften Festplatten wieder hergestellt wurden, fragen sich viele Computer-Besitzer, was sie dagegen tun können. Es ist ja auch so einfach. Man baut eine größere Festplatte ein und bekommt für die alte noch etwas Geld. Vorher noch schnell alle privaten Dateien löschen und gut. Aber reicht das denn?

Zahlreiche PC-Besitzer sind der Meinung, dass man Dateien über den Windows-Befehl „löschen“ auch tatsächlich sicher von der Festplatte bekommt. Weit gefehlt! Die gewieften PC-Spezialisten unter Euch werden die Festplatte noch formatieren. Aber ist das auch wirklich sicher? Nein! Über die Grundlagen der sicheren Entfernung von Dateien und Ordnern von der Festplatte schreibe ich heute ein paar Sätze. Dazu möchte ich Euch zwei Programme kurz vorstellen, die diese Arbeit bequem und sicher verrichten.

Was passiert beim Löschen von Daten auf der Festplatte?

Die Daten werden logisch aus dem Dateisystem entfernt. Bei den aktuellen Betriebssystemen von Windows heißt das Dateisystem NTFS (New Technology File System), bei Mac ist es HFS (Hierarchical File System) und bei Linux gibt es verschiedene Dateisysteme. Hier möchte ich XFS und ReiserFS nennen.

Beim Löschen einer Datei wird im Dateisystem lediglich vermerkt, dass dieser Datenbereich wieder frei ist. Die gelöschten Daten verbleiben aber physisch auf der Festplatte, bis der dieser Datenbereich wieder mit Daten überschrieben wird. Ist das nicht der Fall, können die Daten mit speziellen Programmen wieder sichtbar gemacht werden. In meinem Artikel über die Möglichkeiten der Datenrettung hatte ich seinerzeit das kostenlose Programm PC Inspector File Recovery vorgestellt.

Kann ich das nicht in jedem Betriebssystem mit den Bordmitteln sicherer lösen?

Hier muss ich die Windows-Nutzer leider enttäuschen. Beim Mac kann ich sowohl den Papierkorb über den Finder sicher entleeren, als auch die komplette Festplatte mit dem Festplattendienstprogramm sicher löschen. Bei Linux gibt es für jedes Dateisystem einen Befehl, um Daten wirklich von der Festplatte zu löschen. Windows hat hier leider keine Möglichkeiten. Dafür muss man dann ein separates Programm installieren.

Wie funktioniert das sichere Löschen von Daten auf der Festplatte?

Wie Ihr eben bereits gelesen habt, sind die Daten nach dem normalen Löschen physisch noch auf der Festplatte. Um diese auch wirklich sicher zu entfernen, müssen die leeren Datenbereiche wieder überschrieben werden. Peter Gutmann hat 1996 die nach ihm benannte Methode veröffentlicht, in der er beschrieb, wie man eine vollständige Löschung von Daten auf magnetischen Speichermedien (Festplatten) bewerkstelligen kann. Hierbei werden die Daten nach einem speziellen Muster 35 Mal mit bestimmten Werten überschrieben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt auf seiner Website eine sechsmalige Überschreibung der Daten und dem Forensikexperten Craig Wright reicht nach seiner Untersuchung eine einzige Überschreibung völlig aus.

Warum gibt es so eine Differenz in den Meinungen?

Als Peter Gutmann seine Methode 1996 veröffentlichte, hatten die handelsüblichen Festplatten noch eine Speicherkapazität von wenigen hundert Megabyte. Mittlerweile sind wir bei einem Terabyte angekommen und das bei gleichem Platzbedarf. Das heißt, dass die Datendichte enorm gestiegen ist. Alleine aus diesem Grund ist die Gutmann-Methode nicht mehr zeitgemäß. In der Untersuchung von Craig Wright aus dem Jahre 2008 war die Wahrscheinlichkeit, nach einem einmaligen Überschreiben der Daten diese noch einmal wieder herstellen zu können, praktisch bei Null. Ok, wenn man ein einzelnes Bit sucht, von dem man genau weiß, wo es steht, dann liegt die Wahrscheinlichkeit der Wiederherstellung bei 56 %. Aber bereits bei einem Byte liegt diese bei nur lächerlichen 0,97 %. Zum Vergleich: eine DIN A4-Seite, die nur mit Text beschrieben ist, liegt bei ca. 30 Kilobyte.

Was bringen dann noch Programme zum Löschen von Daten?

Erstmal löschen diese die Daten auch wirklich sicher, da sie die freien Datenbereiche mindestens einmal überschreiben. Außerdem beruhigen solche Programme noch die Nerven, denn es ist auch eine psychologische Sache und gibt einem das Gefühl alles gründlich gemacht zu haben.
Jetzt stelle ich noch zwei gute Vertreter dieser Zunft (Eraser) vor, die eine deutlich verbesserte Datensicherheit auf dem PC gewährleisten.

CCleaner

Logo CCleanerDieses Programm ist eigentlich ein Tool zur Systembereinigung. Zusätzlich hat es aber eine sichere Löschoption für Dateien und Ordner jeglicher Art.

Eraser (ehemals Heidi Eraser)

Eraser eignet sich vorzüglich für das vollständige Schreddern der Festplatte und ist somit auch für Unternehmen geeignet, die sensible Daten sicher entfernen müssen.

Fazit

Wer seine vertraulichen Daten wirklich sicher von der Festplatte löschen möchte, der sollte in jedem Fall auf ein Programm zurückgreifen. Es geht halt nichts über eine gute Datensicherheit und ein sicheres Gefühl.

Welche Programme benutzt Ihr für Eure Datensicherheit?

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Meine Name ist Andreas Karstens. Beruflich bin ich selbständiger EDV-Dozent. Meine Kunden gehören fast ausschließlich der Generation 50plus an, weshalb ich im Dezember 2014 meinen bisherigen Tech-Blog auf dieses Thema neu ausgerichtet habe.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. In frühen DOS-Zeiten gab es mal eine Art Explorer, da konnte man ein Inhaltsverzeichnis einer Unit machen, und die betreffenden Namen auf einer anderen Unit löschen.

    z.B.: ein Inhaltsverzeichnis con C:\
    und dann alle gleichnamigen Dateinen auf D:\ löschen, zum Beispiel nach einer Datensicherung um ganz sicher zu gehen, dass wirklich alle Dateien übertragen worden sind.
    Sowas suche ich für Windows. Ein Tipp?

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