Der Browser Internet Explorer

Viele Nutzer und Webentwickler schimpfen über den wohl anfälligsten Internet-Browser, den Internet Explorer von Microsoft. Ist er wirklich so anfällig oder schlecht, wie er vielfach hingestellt wird, oder ist das nur ein Mythos?

Nachdem ich bereits über den Firefox sowie die Entstehungsgeschichte der Internet-Browser im Allgemeinen geschrieben habe, werde ich heute auf den kontroversesten Browser eingehen: das vernachlässigte Kind von Bill Gates.

Seit wann gibt es den Browser Internet Explorer?

Im Jahre 1995 brachte Microsoft den Internet Explorer heraus, der eine Weiterentwicklung des NCSA Mosaic war. Von 1995 bis 1998 dauerte der Verdrängungswettbewerb zwischen den Unternehmen Microsoft und Netscape um die Vorherrschaft ihrer Browser, den Microsoft mit dem Internet Explorer gewann. Die Wettbewerbsvorteile lagen eindeutig bei der Firma Microsoft, denn dort war mehr Kapital vorhanden und das hauseigene Betriebssystem Windows installierte automatisch den Browser Internet Explorer.

Logo Internet Explorer

Die Version 6 erschien am 27. August 2001. Zu dieser Zeit war der Internet Explorer bereits der absolute Marktführer. Kurz nach der Veröffentlichung dieser Version löste Microsoft das Entwicklerteam rund um den Internet Explorer auf und kümmerte sich mit einigen wenigen Mitarbeitern nur noch um die Schließung der Sicherheitslücken. Dieses Verhalten kann man schon als ein Stückchen Arroganz ansehen. Das für Microsoft typische Verhalten zeigte sich dann mehr als ein Jahr später, als am 9. September 2002 das Service Pack 1 zur Schließung zahlreicher Sicherheitslücken veröffentlicht wurde. Die Sicherheitsprobleme und Unzufriedenheit der Nutzer wurden immer größer und Mitte 2004 wurde die Entwicklung des Internet Explorers wieder aufgenommen. Um besser auf die Wünsche der User einzugehen, wurde sogar ein Wiki gegründet, in dem man seine Wünsche zur nächsten Version äußern konnte. Aha, Microsoft ist ja doch lernfähig. Kurze Zeit später, im August 2004, wurde das Service Pack 2 für Windows XP und den IE 6 herausgebracht. Diesmal wurden nicht nur Sicherheitslücken geschlossen, sondern auch Neuerungen eingeführt. Erstmals gab es für den Internet Explorer einen Popup-Blocker sowie eine Verwaltung für Browserzusätze.

Ab 2004 nahm der Firefox dem Branchenprimus kontinuierlich immer mehr Marktanteile ab. Das wird vielfach als Grund dafür angesehen, dass Microsoft die Version 7 als eigenständiges Produkt herausgebracht hat. Datum der Veröffentlichung war der 19. Oktober 2006. Mit dem Internet Explorer 7 knüpfte Microsoft an die Entwicklungen im Browsermarkt an und adaptierte verbreitete Fähigkeiten von anderen Browsern. Zum Beispiel waren erstmalig Tabbed Browsing und Abonnements von RSS- und Atom-Feeds möglich. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das TAB-Browsing bereits 1994 mit dem InternetWorks entwickelt wurde und der Opera diese Funktion seit dem Jahr 2000 beherrscht, dann sieht man den Rückstand bei Microsoft deutlich.

Vor der Veröffentlichung des IE 7 gab Microsoft im Mai 2006 in Singapur anlässlich der Vorstellung von Windows Vista bekannt, dass zukünftig jedes Jahr eine neue Internet-Explorer-Version veröffentlicht werden soll. Wie diese Maxime im Hause Microsoft umgesetzt wird, zeigt sich bei der Veröffentlichung des IE 8 am 19. März 2009. Um genau 17 Monate haben die Entwickler vom Internet Explorer das Ziel verfehlt, das ist typisch für diesen Softwareriesen. Erst den Mund aufmachen und dann nicht hinterher kommen.

Neuerungen hat auch die Version 8 nicht gebracht. Stattdessen wurden Webstandards besser unterstützt und versucht die Lücken in der Entwicklung zu schließen.

Der Internet Explorer 9 kam am 15. März 2011 auf den Markt. Er sollte endlich mit den konkurrierenden Internet-Browsern wie Firefox, Opera, Safari und Google Chrome technisch mithalten können. Die Nutzer hatten sich aber bereits langsam von ihm verabschiedet.

Auch die Versionen 10 (26. Oktober 2012) sowie 11 (27. Juni 2013) waren den Konkurrenten technisch immer noch unterlegen. Der Anteil der Nutzer schrumpfte unaufhörlich weiter.

Im März 2015 teilte der ehemalige Branchenprimus Microsoft mit, dass die Weiterentwicklung des Internet Explorers zugunsten des neuen Browsers Edge eingestellt werde. Der Riese ist doch noch lernfähig.

Welche Nachteile hat der Internet Explorer?

Die wohl häufigste Antwort auf diese Frage ist die der mangelnden Sicherheit. Natürlich bietet die große Verbreitung des Internet Explorers auch eine größere Wahrscheinlichkeit von erfolgreichen Angriffen. Aber die Entwickler des IE bekommen kritische Sicherheitslücken nicht so schnell in den Griff, wie es eigentlich sein sollte. Als Beispiel eine Sicherheitslücke aus dem Jahr 2010 nennen. Am 15. Januar 2010 warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor dem Einsatz des Internet Explorers. Betroffen waren die Versionen 6, 7 und 8 auf den Windows-Betriebssystemen XP, Vista und 7. Microsoft hat zwar sehr schnell reagiert und auf seiner Website Sicherheitstipps veröffentlicht, aber erst am 9. Februar 2010 wurde anlässlich des Microsoft Patchday (immer der 2. Dienstag des Monats) ein Patch (Nachbesserung) veröffentlicht, der sage und schreibe dreizehn Sicherheitsupdates mit insgesamt 26 verschiedenen Sicherheitslücken schließt. Hallo, fast vier Wochen nach einer kritischen Sicherheitslücke!

Der zweite große Nachteil des Internet Explorers ist die mangelhafte Umsetzung von Webstandards. Zu Beginn war der IE noch Vorreiter bei der Implementierung von CSS 1.0 (Cascading Style Sheets = deklarative Beschreibungssprache für strukturierte Dokumente) sowie DOM 1 (Document Object Model = Spezifikation einer Schnittstelle für den Zugriff auf HTML- oder XML-Dokumente.). Heutzutage wird die unvollständige und teilweise fehlerhafte Implementierung von XHTML, CSS 2.0, DOM 2 und 3, PNG (Portable Network Graphics = portable Netzwerkgrafik) und SVG (Scalable Vector Graphics = skalierbare Vektorgrafiken) und anderen neueren Webtechniken kritisiert. Webentwickler können ein Lied davon singen, wenn man wieder einmal eine Browserweiche programmieren oder HTML-Bereiche mit Hilfe eines Hacks für den IE 6 oder 7 optimieren muss.

Von der Nutzung des Internet Explorers ist aufgrund der immer wieder auftauchenden, kritischen Sicherheitslücken und der teilweise fehlenden und lückenhaften Umsetzung der Webstandards eher abzuraten. Die rückläufige Entwicklung der Browserzahlen belegt meines Erachtens nach den immer größer werdenden Frust der Nutzer über den Browser von Microsoft.

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Meine Name ist Andreas Karstens. Beruflich bin ich selbständiger EDV-Dozent. Meine Kunden gehören fast ausschließlich der Generation 50plus an, weshalb ich im Dezember 2014 meinen bisherigen Tech-Blog auf dieses Thema neu ausgerichtet habe.

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